{"id":793,"date":"2020-08-06T14:29:38","date_gmt":"2020-08-06T12:29:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beratungaufdenpunkt.de\/?p=793"},"modified":"2026-04-29T12:20:54","modified_gmt":"2026-04-29T10:20:54","slug":"miteinander-aus-sozialer-distanz-geht-muss-aber-gestaltet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beratungaufdenpunkt.de\/en\/miteinander-aus-sozialer-distanz-geht-muss-aber-gestaltet-werden\/","title":{"rendered":"Miteinander aus sozialer Distanz?  Geht, muss aber gestaltet werden."},"content":{"rendered":"<p>&#8212; CHATBOT_CONTENT &#8212;<\/p>\n<p>AUSZUG<br \/>\nDie einen geh\u00f6ren nicht zur Risikogruppe, aber verlassen seit Monaten ihre eigenen vier W\u00e4nde nur noch zum Einkaufen. Die anderen begeben sich jede Freitagnacht ins Get\u00fcmmel, und die dritten basteln sich einen Alu-Hut und folgen via social-media und\/oder live irgendwelchen Bescheidwissern. Alle drei Verhaltensweisen sind Ausdruck einer \u00dcberforderung, deren Bewertung altbekannten stereotypen Zuschreibungen folgt: Angsthasen versus Arglose, Jung gegen Alt, Spinner oder Vern\u00fcnftige \u2026 Es lebe die Schublade.<br \/>\nGerade in Zeiten der sozialen Distanz muss ein besonderes Augenmerk auf das Schubladen-\u00fcbergreifende Miteinander gelegt werden. Am Beispiel des technologisch meist unkomplizierten Homeoffice-Arbeitsplatzes zeigen sich die dar\u00fcber hinaus gehenden Aufgaben f\u00fcr Unternehmen, Kommunen und Gesellschaft.<\/p>\n<p>INHALT<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber das gilt nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr die Kolleg*innen aus der Produktion \u2026<br \/>\nJa, die virtuelle Montage ist in der Werkhalle genauso schwer vorstellbar wie auf der Baustelle. Aber:<br \/>\nMixed Reality Technologien sind keine Science Fiction mehr. Jede Produktionsleitung muss sich damit besch\u00e4ftigen. Aber auch die Leitungen von Krankenh\u00e4usern oder Sanit\u00e4tsfachbetrieben k\u00f6nnten administrative oder Qualifizierungs-Aufgaben ins Homeoffice verlegen. Daf\u00fcr braucht es Know-How, Budget und vor allem Vertrauen. Remote-Arbeiten und Remote-Weiterbildung gibt es dann auch f\u00fcr die M\u00e4nner und Frauen, die ansonsten mit den H\u00e4nden arbeiten. In der Produktion, im Gesundheitswesen, im Handwerk. Wer st\u00e4ndig vom Fachkr\u00e4ftemangel spricht, muss als Arbeitgeber*in auch Homeoffice Angebote f\u00fcr eben jene Arbeitskr\u00e4fte machen.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber das bedeutet noch mehr Last auf den Kolleg*innen, die Familie und Beruf managen m\u00fcssen \u2026<br \/>\nWie wichtig ein verl\u00e4sslicher Rahmen f\u00fcr die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kindern ist, haben<br \/>\ngerade Alleinerziehende oder Eltern mit mangelhaften Deutschkenntnissen in den letzten Monaten schmerzlich erfahren m\u00fcssen. Niemand schickt sein Kind w\u00e4hrend einer Pandemie ohne Not zu einem schulischen Ersatzangebot. Aber Chancengleichheit ist kein Ged\u00f6ns, sondern fundamental f\u00fcr unsere Zukunft. Was spr\u00e4che dagegen, wenn HR nach dieser Erfahrung auf die Kommune des Betriebsstandorts zuginge und man gemeinsam ein krisensicheres Betreuungsangebot mit schulischer F\u00f6rderung und flexiblen \u00d6ffnungszeiten organisierte? Die Grenze zwischen Familie und Beruf wird schlie\u00dflich auch durch die t\u00e4gliche 22 Uhr-Webkonferenz mit den s\u00fcdamerikanischen Kunden aufgehoben.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber was machen Kolleg*innen, die in einer 2-Zimmer-Wohnung leben oder keine stabile Internetanbindung haben \u2026<br \/>\nMit Coworking verbinden wir Gro\u00dfst\u00e4dte, wo weltweit urbane Freelancer nicht alleine arbeiten wollen, sondern die B\u00fcrogemeinschaft mit anderen suchen. Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnte sich dieser Bedarf ausweiten: Warum soll eine IT-Fachkraft, die zuhause keine guten Arbeitsbedingungen hat, 50 km ins Open Office ihres Betriebs fahren anstatt direkt in ihrer Kleinstadt zu Fu\u00df in das Coworking-Space in der ersten Etage des B\u00fcrgerhauses zu gehen? Auspendler-Kommunen k\u00f6nnten drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: tags\u00fcber leerstehende R\u00e4ume w\u00fcrden genutzt, der Verkehr reduziert und von der Mittagspause im Ort h\u00e4tte auch die lokale B\u00e4ckerei etwas. Und auch die Unternehmen w\u00fcrden profitieren: die technische Infrastruktur ihrer Homeoffice Worker w\u00e4re z.B. verl\u00e4sslicher als beim privat konfigurierten Router.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber damit muss das Nebenbei-Lernen der Kolleg*innen, die noch nicht viel Berufserfahrung haben, gesondert organisiert werden \u2026<br \/>\nDass das Lernen nie aufh\u00f6rt und niemand sich auf den einmal erlernten beruflichen Kompetenzen ausruhen kann, wurde in den letzten Wochen anhand der Ad hoc-Einf\u00fchrung von Zoom, Teamviewer oder Microsoft Teams erneut klar. Selten hat man dagegen etwas geh\u00f6rt zu dem, was gerade zu Beginn der Berufsbiografie unglaublich wichtig ist: dem Lernen von der Erfahrung der Erfahrenen. Das sprichw\u00f6rtliche \u201e\u00dcber-die-Schulter-Schauen\u201c funktioniert auch bei virtuellen Schultern, muss aber organisiert werden. Da sich die Digital Natives oft leichter tun mit neuen Apps, Kollaborationsplattformen oder Kommunikations-IT, bergen generations\u00fcbergreifende Lernpartnerschaften zudem die Chance des gegenseitigen Voneinander-Lernens. Auf Augenh\u00f6he.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber daf\u00fcr braucht es neue Formen der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kolleg*innen, die heute schon burn-out gef\u00e4hrdet sind \u2026<br \/>\nBurn-Out ist keine Mode, sondern ein psychischer Ersch\u00f6pfungszustand. Er kommt schleichend und das auch im Homeoffice. W\u00e4hrend es auff\u00e4llt, wenn der Kollege immer noch im B\u00fcro ist, wenn man selbst das Licht ausmacht, braucht es beim virtuellen Zusammenarbeiten besondere Stress-Sensoren \u2013 f\u00fcr sich und die anderen. Hier ist das betriebliche Gesundheitsmanagement gefragt. Die Einf\u00fchrung von virtuellen Team-Reflexionen, die Sensibilisierung von F\u00fchrungskr\u00e4ften, aber auch einen mit der Arbeitnehmervertretung verabredeten Prozess professioneller Interventionen, der entweder von den Betroffenen selbst oder von ihrer F\u00fchrungskraft angetriggert werden kann, ist mindestens so wichtig wie die sichere VPN-Verbindung.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber was hei\u00dft das f\u00fcr Menschen, die in F\u00fchrungsfunktionen sind \u2026<br \/>\nEgal, ob Vertriebs-Chefin oder Service-Leiter, beide sind es gewohnt, dass ihre Kolleg*innen oft bei Kunden sind. Jetzt aber ist niemand mehr da. Und das ist ein Unterschied, zumal sich die Situation b.a.w. nicht \u00e4ndern soll. Wie gro\u00df muss der Unterschied erst f\u00fcr den Chef des Controllings sein? Homeoffice macht deutlich, was in professionellen Arbeitsumgebungen schon vorher galt: f\u00fcrs Tagesgesch\u00e4ft braucht man keine F\u00fchrungskraft. Ausrichten und Einrichten, das allerdings bleiben F\u00fchrungsaufgaben: Abzustimmen, wie die Corona-spezifischen Sonder-Reports aussehen sollen. Zu entscheiden, welcher Kunde angesichts der unterbrochenen Lieferkette noch bedient werden kann und was man den anderen als Kompensation anbietet. Und am Allerwichtigsten: Sicherzustellen, dass das Team nicht in lauter Einzelk\u00e4mpfer*innen zerf\u00e4llt \u2013 es gibt genug Aufgaben, auch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte im Homeoffice.<br \/>\nAlle sollen zuk\u00fcnftig viel h\u00e4ufiger im Homeoffice arbeiten, aber wie organisiert man den Zusammenhalt mit denen, die nicht (mehr) dazu geh\u00f6ren \u2026<br \/>\nDas preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 2. Quartal 2020 gegen\u00fcber dem Vorjahr um 11,7% gesunken (Quelle: D_Statis). Diese Pandemie wird zusammen mit dem laufenden Strukturwandel einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verursachen. Dabei wird &#8211; wie immer in Wirtschaftskrisen &#8211; auch der gesellschaftliche Zusammenhalt auf den Pr\u00fcfstand kommen. Arbeit ist der wichtigste Integrationsfaktor, auch noch in post-industriellen Gesellschaften. Von der Teilung eines Arbeitsplatzes bis zur Einf\u00fchrung eines mit Nicht-Erwerbsarbeit verbundenen B\u00fcrgergelds gibt es viele Konzepte, die im Zusammenhang mit den neuen M\u00f6glichkeiten durch die Digitalisierung weit \u00fcber das Homeoffice hinausgehen.<br \/>\nAktuell stehen Fragen nach ad\u00e4quaten Werkzeugen und nach gesetzlichen Regelungen f\u00fcr die neue<br \/>\nArbeits-Normalit\u00e4t auf der Agenda. Zwischen den Zeilen geht es um die Nutzung der damit verbundenen Chancen, aber auch um die Aushandlung, welche damit einhergehenden Risiken wir in Unternehmen und in der Gesellschaft akzeptieren wollen. Gestaltung ist gefragt. Diese Krise hat viel Potential f\u00fcr eine Neuorganisation des sozialen Miteinanders. Oder f\u00fcr eine Vertiefung der Gr\u00e4ben.<\/p>\n<p>&#8212; END_CHATBOT_CONTENT &#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8212; CHATBOT_CONTENT &#8212; AUSZUG Die einen geh\u00f6ren nicht zur Risikogruppe, aber verlassen seit Monaten ihre eigenen vier W\u00e4nde nur noch zum Einkaufen. Die anderen begeben sich jede Freitagnacht ins Get\u00fcmmel, und die dritten basteln sich einen Alu-Hut und folgen via social-media und\/oder live irgendwelchen Bescheidwissern. 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