{"id":970,"date":"2023-02-22T21:16:24","date_gmt":"2023-02-22T20:16:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beratungaufdenpunkt.de\/?p=970"},"modified":"2026-04-29T12:19:26","modified_gmt":"2026-04-29T10:19:26","slug":"ueber-infrastruktur-sprechen-heisst-ueber-gesellschaft-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beratungaufdenpunkt.de\/en\/ueber-infrastruktur-sprechen-heisst-ueber-gesellschaft-sprechen\/","title":{"rendered":"\u00dcber Infrastruktur sprechen, hei\u00dft \u00fcber Gesellschaft sprechen"},"content":{"rendered":"<p>&#8212; CHATBOT_CONTENT &#8212;<\/p>\n<p>AUSZUG<br \/>\nBeim ersten barcamp des Jahres war das SDG9 Absprungpunkt unseres sozioLOGISCHEN Dialogs. Bei diesem Ziel der Vereinten Nationen geht es um eine widerstandsf\u00e4hige Infrastruktur, nachhaltige Industrialisierung und Innovation.<br \/>\n\u201eInfrastruktur ist das notwendige Stabile, das Flie\u00dfendes erm\u00f6glicht\u201c so Dirk van Laak, Historiker an der Universit\u00e4t Leipzig. Er hat eine systematische Vernetzung von Zeit und Raum seit dem 18. Jahrhundert ausgemacht. \u201eAngeschlossen sein\u201c ist der Ma\u00dfstab der Moderne \u2013 so seine Einsicht. Infrastrukturen schaffen Zug\u00e4nge f\u00fcr Menschen, G\u00fcter \/ Informationen und Sichtweisen. Gleichzeitig grenzen sie diejenigen aus, die die vorhandenen Infrastrukturen nicht nutzen k\u00f6nnen oder wollen.<br \/>\nDas kann \u00f6konomische, aber auch soziale Gr\u00fcnde haben: W\u00e4hrend f\u00fcr die einen Kommunikation haupts\u00e4chlich \u00fcber soziale Netzwerke funktioniert, h\u00e4ngen die anderen noch am Festnetztelefon. Carsharing ist f\u00fcr die einen ein Segen, f\u00fcr die anderen eine Zumutung, weil man ihnen damit ein f\u00fcr sie leicht erreichbares Statusmerkmal wegnimmt. Schwimmunterricht f\u00fcr alle beugt dem Tod durch Ertrinken vor \u2013 aber nur, wenn niemand aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden nicht daran teilnimmt.<br \/>\nIm Infrastrukturatlas 2020 der Heinrich B\u00f6ll Stiftung findet sich eine umfassende Definition: \u201eInfrastruktur umfasst nicht nur die Netze, die uns mit Energie, Wasser und Informationen versorgen \u2013 sondern auch die R\u00e4ume, in denen die Gesellschaft interagiert.\u201c Wie sehen diese R\u00e4ume heute aus? Welche Ver\u00e4nderungen nehmen wir bereits wahr, welche braucht es dar\u00fcber hinaus?<br \/>\nUm solche Fragen geht es in den sozioLOGISCHEN barcamps. Das n\u00e4chste findet diesen Freitag, 24.2., wie immer von 8-9 Uhr statt. Bei Interesse gerne melden oder<\/p>\n<p>INHALT<br \/>\nWer heute das Ziel \u201ewiderstandsf\u00e4hige Infrastruktur, nachhaltige Industrialisierung und Innovation\u201c auslobt, kann dies nicht tun ohne den blinden Fleck der bisherigen Industrialisierung zu thematisieren: das sozio-\u00f6kologische Desaster, das durch die Externalisierung von Kosten und vor allem Risiken entstanden ist.<br \/>\nAuf der Suche nach Beispielen, bei denen dieser blinde Fleck offensichtlich wird, landen wir im barcamp direkt vor unserer Haust\u00fcre und den Parkpl\u00e4tzen im \u00f6ffentlichen Raum. Laut Sch\u00e4tzung existieren in Westeuropa etwa 300 Millionen \u00f6ffentliche Parkpl\u00e4tze. Davon sind \u00fcber 80 Prozent im \u00f6ffentlichen Raum.* Hier handelt es sich um ein Ph\u00e4nomen absoluter Ressourcenverschwendung (im Durchschnitt steht ein Fahrzeug 95% der Zeit*), verbunden mit einer gigantischen Subvention (nur 23% der Kosten werden durch die Benutzer ausgeglichen, w\u00e4hrend 77% der Parkraumkosten von der \u00f6ffentlichen Hand getragen werden*). Was also ist die sozioLOGIK hinter diesem Relikt?<br \/>\n\u00d6ffentlicher Raum als Transitzone<br \/>\nSeitdem die Menschheit sesshaft wurde, nimmt die funktionale Ausdifferenzierung der R\u00e4ume zu. In der industriellen Logik mit ihrer Trennung von Wohn- und Arbeitsst\u00e4tte wurden gro\u00dfe Teile des \u00f6ffentlichen Raums zum Weg degradiert. Mit dem remote workplace kann sich dieses jahrzehntelang unhinterfragte Paradigma ver\u00e4ndern.<br \/>\nPrimat des motorisierten Individualverkehrs<br \/>\nDas Auto (es hei\u00dft nicht ohne Grund \u201eVolkswagen\u201c) steht vor allem in Deutschland wie kein anderes Gut f\u00fcr das Wohlstandsversprechen der Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert. Der Umstieg vom Verbrenner zum Elektro-Kfz ist vor diesem Hintergrund auch der Versuch, an diesem Versprechen festzuhalten.<br \/>\nAuto als Statussymbol<br \/>\nMenschliche Gemeinschaften sind charakterisiert durch Rollen, die meist hierarchisch angeordnet sind und durch Symbole repr\u00e4sentiert werden. Die K\u00f6nigin erkennt man an der Krone, das It-Girl an den Promis, mit denen sie sich publiziert. Repr\u00e4sentation funktioniert aber auch andersherum, d.h. wer eine Krone tr\u00e4gt, muss wohl die K\u00f6nigin sein. Sp\u00e4testens mit der Erfindung des Kfz-Leasings gilt: \u201eAutos machen Leute\u201c.<br \/>\nWenn wir von Transformation sprechen \u2013 und das SDG9 kann vor den bekannten Nebenfolgen der westlichen Industriegesellschaft nur mit einer solchen erreicht werden \u2013 geht es auch darum, das sozioLOGISCHE Wozu hinter dem bisherigen Status Quo zu hinterfragen.<br \/>\nZur\u00fcckkommend zum Parkplatz-Beispiel:<\/p>\n<p>Welche Funktion soll der \u00f6ffentliche Raum in Zukunft haben?<br \/>\nWorauf basiert das Wohlstandsversprechen im 21. Jahrhundert \u2013 oder zugespitzt: Was kommt nach der \u201efreien Fahrt f\u00fcr freie B\u00fcrger\u201c?<br \/>\nUnd zum Statussymbol: Solange die Leistungstr\u00e4ger*innen dieser Welt sich \u00fcber gro\u00dfe Limousinen definieren (und in Deutschland daf\u00fcr mit Dienstwagenprivilegien belohnt werden), so lange sollte man nicht auf junge M\u00e4nner herabschauen, die sich am Wochenende einen PS-starken Boliden mieten, um beim n\u00e4chtlichen Rennen durch die Innenst\u00e4dte ihre Leistungsf\u00e4higkeit zu zeigen.<\/p>\n<p>Zur Klarstellung: Es ging in diesem barcamp NICHT um die Verteufelung des Automobils. An diesem Objekt l\u00e4sst sich allerdings sehr gut zeigen und sp\u00fcren, worum es eigentlich geht, wenn wir \u00fcber \u201ewiderstandsf\u00e4hige Infrastruktur, nachhaltige Industrialisierung und Innovation\u201c sprechen. Hier m\u00fcssen nicht nur Breitbandkabel verlegt, Wind- und Solarparks gebaut und Subventionen umgeschichtet, sondern die Industriegesellschaften, wie wir sie kennen, neu ausgerichtet und umgebaut werden. Dazu braucht es auch die sozioLOGISCHE Perspektive.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n* Quelle: Martin Randelhoff schaut sich das Thema Mobilit\u00e4t auf seiner Homepage \u201eZukunft Mobilit\u00e4t\u201c sehr facetten- und faktenreich an https:\/\/www.zukunft-mobilitaet.net\/13615\/strassenverkehr\/parkraum-abloesebetrag-parkgebuehr-23-stunden\/<\/p>\n<p>&#8212; END_CHATBOT_CONTENT &#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8212; CHATBOT_CONTENT &#8212; AUSZUG Beim ersten barcamp des Jahres war das SDG9 Absprungpunkt unseres sozioLOGISCHEN Dialogs. 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