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Organisationsentwicklung
für die Gesellschaft?

Gabriele Wittendorfer

Als Facilitatorin arbeite ich seit vielen Jahren mit Dialog-Settings, unter anderem auch mit dem Fishbowl-Dialog, der seinen Namen davon hat, dass einige wenige im inneren Kreis sprechen (in der ARD sitzen diejenigen im Studio) und viele andere im äußeren Kreis (sprich vor dem Ausstrahlungsgerät) dem Gespräch folgen. Im Original-Fishbowl kann man, wenn man etwas zu sagen hat, durch Abklatschen aus dem äußeren in den inneren Kreis wechseln.

Welche Gedanken gehen mir aufgrund meiner Erfahrungen in der Organisationsentwicklung durch den Kopf, wenn ich sehe, wie die ARD ihr Dialog-Projekt aufgesetzt hat?

Im Zentrum jedes Dialogs steht das Thema

Dialog, Gleichberechtigung, Migration, Demokratie, Meckerkultur, Wandel – die ausgesuchten Themen müssen für alle im inneren und äußeren Kreis relevant sein, damit Beteiligung stattfindet. Auch wenn ich die Auswahl sehr gut nachvollziehen kann, um aus dem Dialog eine transformative Dynamik zu bekommen, gilt. Weniger ist mehr.

Sag mir, wie der Dialog eingebettet ist, und ich sage Dir, wie wirksam er sein wird

Jeder gelungene Dialog bedeutet, dass die Beteiligten um eine Reziprozitätserfahrung reicher herauskommen. Die meisten Menschen verbinden dies mit Erwartungen, zunächst an die Selbstwirksamkeit (ich konnte aussprechen, ich wurde gehört). Allerdings wollen sie auch eine Resonanz von außen. Wenn diese offensichtlich nicht erfolgt oder es keinen rekursiven Verständigungsprozess gibt, kann diese Enttäuschung zu einem Rückschlageffekt führen, der die Gräben in unserer Gesellschaft noch breiter macht.
Die ARD hat im entsprechenden „Hart aber fair extra“ diesen Versuch unternommen – Sven Schulze, Ricarda Lang und Sigmar Gabriel als Vertreter*innen des politischen Personals sind definitiv kein ausreichendes Angebot.

Dialog als Haltung und Praxis verstetigen

Organisationen, die nur auf der Klausur oder dem Team-Tag dialogisch interagieren, werden keinen nachhaltigen Nutzen von diesem Modus der Verständigung haben.
Was bedeutet dies für die ARD? Sie könnte nicht nur mehr dialogische Formate entwickeln (quer durch alle ihr zur Verfügung stehenden Medien), sondern diese in Vergessenheit geratene Sozialtechnik den Teilnehmenden im Studio und außerhalb wieder beibringen. In meiner Erinnerung waren echte Weiterbildungsformate auch einmal Teil des ÖRR-Angebots.
Was bedeutet dies für unsere Gesellschaft und vor allem unser politisches System? Wenn TINA, rote Linien und Brandmauern uns aktuell nicht weiterbringen, könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass die Anerkennung subjektiver Wahrheiten der erste Schritt sein kann auf dem Weg zum Wiederfinden einer gemeinsamen Wirklichkeit.

Dafür gibt das ARD-Projekt „Was Deutschland verbindet“ eine gute Inspiration. #transformatioNpractice

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